Die Insel Hispaniola hat eine Provinz namens Caonao, in der sich ein Berg namens Cauta befindet, und in ihm zwei Höhlen namens Cacibajagua und Amayaúna. Der Wächter Mácocael wurde von der Sonne zu Stein verwandelt.
Aus Cacibajagua kam der größte Teil der Menschen, die die Insel besiedelten. Solange sie in jener Höhle lebten, stellten sie nachts eine Wache auf; diese Aufgabe oblag Mácocael. Weil er eines Tages zu spät zur Tür zurückkehrte, so erzählt man, wurde er von der Sonne ergriffen. Als man sah, dass die Sonne ihn wegen seiner schlechten Wache fortgetragen hatte, verschloss man ihm die Tür, und er wurde in einen Stein verwandelt, nahe dem Eingang.
Man erzählt auch, dass andere, die zum Fischen gegangen waren, von der Sonne erfasst und in Bäume verwandelt wurden, die Jobos genannt werden, auch Myrobalanen. Der Grund, warum Mácocael Wache hielt, war zu sehen, wohin die Menschen geschickt oder aufgeteilt werden sollten — doch es scheint, dass gerade seine Verspätung sein Unglück war.
Guahayona verließ die Höhle mit allen Frauen und kehrte später wieder nach Cauta zurück.
Guahayona befahl Yahubaba, ein Kraut namens Digo zu holen, mit dem man sich vor dem Baden reinigt. Dieser ging voraus, wurde aber unterwegs von der Sonne ergriffen und in einen Vogel verwandelt, der morgens singt wie eine Nachtigall. Als Guahayona sah, dass jener nicht zurückkehrte, beschloss er, die Höhle Cacibajagua zu verlassen, und sagte zu den Frauen: Verlasst eure Männer, lasst uns in andere Länder ziehen. Lasst eure Kinder zurück, wir nehmen nur das Kraut mit — später kehren wir für die Kinder zurück.
Guahayona zog mit allen Frauen fort und kam nach Matininó, wo er die Frauen bald zurückließ. Die kleinen Kinder hatte man an einem Bach zurückgelassen; als der Hunger sie zu quälen begann, wurden sie in kleine froschartige Tierchen verwandelt, die Tona genannt werden. Später täuschte Guahayona auch seinen Schwager Anacacuya und warf ihn ins Meer, um sich alle Frauen zu nehmen. In der Ferne fand er Guabonito, die ihn von seinen Geschwüren heilte und ihm Guaníne und Cibas schenkte — daraufhin änderte er seinen Namen zu Biberoci Guahayona und kehrte schließlich zur Höhle Cauta zurück.
Die Frauen wurden zunächst nach Matininó gebracht, einer mythischen Insel weit im Osten.
Beim Baden erschienen den Männern eines Tages Wesen ohne Geschlecht, die von den Ästen der Bäume herabglitten wie Aale und sich nicht fangen ließen — bis man Männer mit rauer Haut ("Caracaracol") herbeirief, die kräftig genug zupacken konnten. Man band diesen geschlechtslosen Wesen Hände und Füße und befestigte einen Specht (Inrirí) an ihren Körpern; der Vogel, der glaubte, es handle sich um Holzstücke, begann zu picken — genau an der Stelle, wo sich gewöhnlich das weibliche Geschlechtsorgan befindet. So, sagen die Indianer, kamen sie zu Frauen.
Das Totenreich Coaybay, die Seele (Goeíz/Opía), die Heiler (Buhitihu) und die Cemí-Zeremonie mit Cohoba.
Man glaubt, es gebe einen Ort, wohin die Toten gehen, Coaybay genannt, an einem Ende der Insel, Soraya genannt. Der erste, der dort war, hieß Maquetaurie Guayaba, Herr von Coaybay. Man sagt, tagsüber seien die Toten eingeschlossen; nachts gingen sie hinaus zur Erholung und äßen eine Frucht namens Guayaba. Solange jemand lebt, nennt man die Seele Goeíz; nach dem Tod heißt sie Opía. Um Tote zu erkennen, betastet man ihnen den Bauch: Findet man keinen Nabel, gilt der Betreffende als tot.
Ist jemand krank, holt man den Buhitihu, den Heiler. Er reinigt sich mit einem Pulver namens Cohoba durch die Nase, was ihn derart berauscht, dass er behauptet, mit den Cemíes gesprochen zu haben, die ihm die Ursache der Krankheit verraten hätten. Diese Cohoba-Zeremonie führt man nicht nur bei steinernen und hölzernen Cemíes durch, sondern in abgewandelter Form auch bei den Leibern der Toten.
Fray Ramón ging zur Festung Magdalena in der Provinz Macorix. Dort starb Guaticaba (Juan) als erster Märtyrer.
Während ich dort in Gesellschaft des Hauptmanns Artiaga war, wollte Gott ein ganzes Haus vornehmer Leute der Festung Magdalena mit dem Licht des heiligen Glaubens erleuchten. In jenem Haus lebten sechzehn Personen, alle Verwandte, darunter fünf Brüder; einer starb, die anderen vier empfingen die Taufe. Der erste, der die Taufe — und damit auch den Tod — empfing, war Guaticaba, getauft auf den Namen Juan. Ich halte ihn für einen Märtyrer, denn er soll gesagt haben: "Dios naboria daca" — "Ich bin Diener Gottes." So starb auch sein Bruder Antonio mit denselben Worten.
Am Tag nach unserem Aufbruch ließ Guarionex' Volk sechs Männer zum Bethaus gehen, das die Katechumenen bewachten, mit dem Befehl, die dort zurückgelassenen Heiligenbilder zu holen. Sie drangen mit Gewalt ein, vergruben die Bilder auf einem Ackerfeld und traten darauf. Als Don Bartolomé Colón davon erfuhr, ließ er die Täter, nachdem die Wahrheit bekannt war, öffentlich verbrennen. Einige Tage später wuchsen an der Stelle, wo die Bilder vergraben lagen, zwei Ajes-Pflanzen so, dass sie sich kreuzten — in Form eines Kreuzes.
Fast zwei Jahre lebte Pané bei Kazike Guarionex, unterstützt vom Dolmetscher Guaicavanú.
Der Admiral sandte mich zu Guarionex, einem mächtigen Kaziken, dessen Sprache im ganzen Land verstanden wurde — anders als jene von Macorix. Gott schenkte mir dafür den besten und im katholischen Glauben erfahrensten Indianer, Guaicavanú, der später als Christ den Namen Juan annahm. Fast zwei Jahre blieben wir bei Guarionex und lehrten ihm unseren heiligen Glauben. Anfangs zeigte er guten Willen; er bat uns, ihm das Vaterunser, das Ave Maria und das Glaubensbekenntnis beizubringen, was er auch lernte.
Doch später verärgerten ihn andere Vornehme des Landes, die ihm vorwarfen, dem christlichen Gesetz zu gehorchen, obwohl die Christen grausam seien und sich mit Gewalt seines Landes bemächtigt hätten; sie rieten ihm, sich zu verschwören, um sie zu töten. So wandte er sich von seinem guten Vorsatz ab, und wir zogen zu einem anderen Kaziken, Maviatué, der guten Willen zeigte, Christ werden zu wollen. Trotzdem führten Guarionex und seine Untertanen ihr Vorhaben teilweise aus und töteten vier Männer sowie Juan Mateo, den ersten Getauften.
Rückkehr nach La Isabela, wo Juan Mateo 1496 die Taufe empfing.
Wir zogen in Begleitung Juan de Ayalas, der eine Festung namens Concepción verwaltete, eine halbe Meile vom Ort unseres eigentlichen Aufenthalts entfernt. Wir gingen nach La Isabela und warteten dort auf den Admiral, bis er von seinem Hilfszug zur Magdalena zurückkehrte. Der erste, der auf Hispaniola die Taufe empfing, war Juan Mateo, getauft am Tag des Evangelisten Matthäus im Jahr 1496; danach sein ganzes Haus, wo es viele Christen gab.
Dies ist, was ich mit aller Sorgfalt über die Sitten und Riten der Indianer Hispaniolas in Erfahrung bringen und verstehen konnte. Ich erstrebe damit keinen geistlichen noch weltlichen Nutzen. Möge unser Herr geben, dass alles zu seinem Lob und Dienst gereiche.
Erste Landungsinsel: Guanahaní, vom Admiral San Salvador getauft. Erster Kontakt mit den Lucayen-Bewohnern.
Der Admiral ging mit bewaffnetem Boot an Land, begleitet von Martín Alonso Pinzón und dessen Bruder Vicente Anes. Er nahm die Insel offiziell für die Krone in Besitz. Bald versammelte sich viel Volk. Kolumbus schreibt: Er habe den Bewohnern rote Mützen und Glasperlen geschenkt, worüber diese sich sehr freuten — sie brachten im Gegenzug Papageien, Baumwollgarn und Wurfspieße.
Alle gingen nackt, waren jung, gut gewachsen, mit groben, kurz getragenen Haaren, bemalten sich Gesicht und Körper in Schwarz, Weiß und Rot. Sie kannten keine Waffen aus Eisen — als man ihnen Schwerter zeigte, griffen sie unwissend in die Klingen. Einige zeigten Narben von Kämpfen mit Bewohnern benachbarter Inseln. Der Admiral hielt sie für gute, kluge Diener, die leicht zum Christentum zu bekehren seien, da sie offenbar keiner eigenen Religion anhingen.
Zweite Station: Santa María de la Concepción.
Weiterfahrt zu Fernandina — schon geschicktere Handelsbeziehungen, gewebte Baumwolltücher, Hängematten.
Isabela — Kolumbus' eigene Namensgebung, nicht zu verwechseln mit der späteren Siedlung La Isabela an der Bajabonico-Mündung.
Erkundung der großen Insel Juana (Cuba). Entsendung von Luis de Torres und Rodrigo de Jerez ins Landesinnere — erste Tabak-Beobachtung.
Sichtung einer großen Insel im Südosten, Bohío genannt — identisch mit dem später "Hispaniola" genannten Gebiet. Hier bricht der vorliegende Textauszug ab.